Vorsicht Amphibienwanderung!

Warnschild Amphibien Brechtener Straße 2024

Die Amphibienwanderung 2024 ist schon in vollem Gange. In diesem Jahr wurden insgesamt 31 Warnschilderschilder von der Stadt Dortmund aufgestellt. Erdkrötenpaar Kirchhörder Straße 2024

An der Lanstroper Straße wurden bereits am Wochenende vom 9. bis 11.2. 140 Amphibien abgesammelt.  Mittlerweile stehe wir hier bei 543 Tieren. Im Vergleich zum langjährigen Mittel (2009-2023: 1337 Amphibien) entspricht dies gut 45 Prozent. Dieser Wert ist jedoch nur bedingt aussagekräftig, da die Zahlen erheblichen jährlichen Schwankungen unterliegen. So liegt das Minimum an abgesammelten Amphibien an der Lanstroper Straße bei 795 (2020) und das Maximum bei 1688 (2021).

Zudem varrieren die Zahlen innerhalb des Stadtgebietes. So startet die Amphibienwanderung im Dortmunder Norden (Teil des Tieflandes) in der Regel früher als im Dortmunder Süden (Teil des Berglandes).

Laich Grasfrosch Bittermark Ersatzgewässer 2024

Am 20.02. haben wir die ersten Laichballen vom Grasfrosch für das Jahr 2024 in einem Gewässer in der Bittermark gesichtet.

Ruhr-Hochwasser packt kräftig mit an – Renaturierung der Ruhr zwischen Wickede und Fröndenberg

Seit Mitte 2023 wird die Ruhr im Grenzbereich zwischen dem Kreis Soest und dem Kreis Unna im Rahmen des Landesprogramms “Lebendige Gewässer” von der Bezirksregierung Arnsberg renaturiert.  Alte Uferbefestigungen werden entfernt, Kiesbänke initiiert, der zufließende Wimberbach wird naturnah umgestaltet und die Alte Ruhr im Naturschutzgebiet “Obergraben westlich Wickede” wird erheblich aufgeweitet.

Renaturierung der Ruhr Foto: Ingenieurbüro Wolfgang KleinArbeiten zur Renaturierung der Ruhr bei Wickede im Jahr 2023  Foto: Ingenieurbüro Wolfgang Klein Warstein

Das Weihnachtshochwasser 2023 hatte diese Arbeiten zunächst zum Erliegen gebracht – aber auch ganz maßgeblich an der naturnahen Gestaltung der bereits bearbeiteten Bereiche mitgewirkt. Im Naturschutzgebiet Obergraben westlich Wickede bildet die Alte Ruhr den südöstlichen Grenzverlauf des Kreises Unna zum Nachbarkreis Soest. Vor dem Hochwasser wurde hier mit dem Aufweiten des Gewässerbetts begonnen. Jetzt danach zeugen weitausladende Kiesflächen von der Schleppkraft der Ruhr. Und auch an den Uferböschungen hat die Ruhr genagt – sicher zur Freude der hier brütenden Uferschwalben und Eisvögel.

Kiesbänke
Freigespülte Kiesbänke nach Durchgang des Hochwassers an der Alten Ruhr
Uferabbrüche an der alten Ruhr
Uferabbrüche an der alten Ruhr im NSG Obergraben westlich Wickede
Steilufer
Hier hat nach dem Hochwasser bisher nur der Bagger gewirkt – das nächste Hochwasser wird die Steilkanten auf andere Weise angreifen

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Biotoppflegeeinsatz am NSG Kirchderner Wald

Das Vorkommen der Ringelnatter im Bereich Kirchderner Wald ist seit vielen Jahren bekannt. Hier setzte sich der pensionierte Grubensteiger Georg Olbrich bis zu seinem Tod im Jahr 2015 für „Wassernatter“ und Co ein. Er legte Bruthaufen und Kleingewässer an und hielt Teilflächen frei von Gehölzaufwuchs.

Diese Arbeit wurde nun wieder aufgenommen. In den letzten zwei Wochen wurden an Böschungsabschnitten eines großen Regenrückhaltebeckens Junggehölze und Brombeerfluren von der Stadtteilwerkstatt Dortmund entfernt. Am vergangenen Samstag trafen wir uns dann mit einer Gruppe engagierter Naturfreunde vor Ort, legten zwei große Bruthaufen aus Schilf an und entfernten Gehölzaufwuchs, Schilf und Faulschlamm aus zwei Kleingewässern.

Inspiriert wurden wir dabei auch von unseren Kollegen von der RAVON aus den Niederlanden, die landesweit Bruthaufen zur Förderung der Ringelnatter anlegen.
Unsere großes Dankeschön gilt allen tatkräftigen Helfer:innen!

Weiterführende Infos zur Tätigkeit von Herrn Olbrich finden sich im AGARD-Magazin von 2015.
http://s860321745.online.de/wp-content/uploads/2022/01/AGARD-Magazin-2015.pdf

Pioniere im NSG Ebberg – jährlicher Arbeitseinsatz mit der AGON Schwerte

Alljährlich machen sich bei jedem Wetter die Mitglieder der AGON Schwerte am ersten Februar-Samstag auf den Weg, um gemeinsam mit der Biostation die Steinbruchflächen im Naturschutzgebiet Ebberg freizuhalten. Auch am 03.02.2024 wurde auf den verschiedenen ehemaligen Steinbruchsohlen mit Freischneider, Motorsäge, Harke und Forke den Gehölzen und Brombeeren zu Leibe gerückt.

Warum diese ständigen Eingriffe notwendig sind? Nach der Einstellung des Steinbruchbetriebs in den 1960er Jahren haben sich auf den rohen Sandsteinböden des Naturschutzgebietes Pionierpflanzen und -tiere angesiedelt, die in unserer intensiv genutzten Normallandschaft keine Lebensräume mehr finden und in ihren Beständen bedroht sind. Im Lauf der Zeit werden diese lichtliebenden, konkurrenzschwachen Arten aber von Hochstauden und Gehölzen verdrängt. Die immer wiederkehrenden Pflegeeinsätze schaffen Rohbodenbedingungen oder drängen konkurrenzstarke Arten zurück und bereiten neuen Raum für Pionierarten. Teilbereiche wurden deshalb diesmal auch mit einem Minibagger abgezogen, um die Vegetationsentwicklung auf “Neubeginn” zu setzten.

Und alljährlich treffen sich nach getaner Arbeit auch alle Pionierförder:innen zum gemeinsamen Abschluss bei Brötchen und Kuchen und nutzen die Gelegenheit, sich an die langjährige Erfolgsgeschichte der AGON-Pflegeeinsätze im Gebiet zu erinnern. Herzlichen Dank allen Aktiven!

Naturschutzgebiete und Heckrindherden vom Lippe-Hochwasser betroffen

Aktuell sind weite Teile der Lippeaue von Wasser bedeckt. Seit dem 23.12.2023 erfüllt sie ihre ureigene Funktion als Retentionsfläche. Das Hochwasser schafft und gestaltet neue Lebensräume (z.B. für Fische und Vögel) und schränkt sie an anderer Stelle ein.

Blick vom Fuße der Deponie auf die ehemaligen Rieselfelder der Stadt Werne – das Wasser füllt in diesem Bereich die gesamte Aue

Die Lebensräume unserer zwei Heckrindherden in Werne-Langern und Werne-Stockum sind noch immer stark beschnitten. Die Tiere wurden von unserem Tierbetreuer, Landwirt Konrad Linnemann, auf sicheren Anhöhen auf den Flächen angefüttert und haben das Hochwasserereignis bisher gut überstanden. Allerdings sind es die Tiere nicht gewöhnt, auf engem Raum zusammenzustehen und Bezugspunkte auf der ihnen bekannten Fläche nicht wiederzufinden. Wir bitten daher dringend darum, dass die von der Polizei, unserem Tierbetreuer und ehrenamtlichen Helfern errichteten Absperrungen in Stockum respektiert und die Tiere nicht unnötig beunruhigt werden. Auch nicht genehmigte, private Drohnenflüge beunruhigen die Herden. Sie sind in Naturschutzgebieten ohne Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörden grundsätzlich nicht gestattet. 

Heckrinder im NSG “Am Tibaum”. Unsere ganzjährig im Freien gehaltenen, auerochsenähnlichen Rinder haben in den vergangenen Tagen, in einer angespannten Hochwasserlage gezeigt, dass sie hervorragend an den dynamischen Lebensraum der Aue angepasst sind. Die Herden verfügen über erfahrene Leittiere, die die Herden auch zum Scheitelpunkt der Flut auf sichere Anhöhen geführt haben. 

 

Frohe Festtage und einen guten Rutsch in das neue Jahr!

Das wünschen wir Ihnen und ihrer Familie liebe Naturfreunde.

Wiedermals möchten wir uns herzlich bei Ihnen für ihr Engagement, ihre Begeisterungsfähigkeit und ihren Wissensdurst bedanken. Wir freuen uns auf zahlreiche neue Projekte, wie auch auf unsere Veranstaltungen, bei denen wir in 2024 wieder mit Ihnen in Kontakt treten können.

Als besonderen Tipp zum Jahresende empfehlen wir Ihnen den Adventskalender auf der Instagram-Seite unseres Dachverbandes. In den 24 Türchen werden seltene Lebensräume vorgestellt, die Sie mitunter direkt vor ihrer Haustür erleben können.

Viel Freude dabei und bis bald sagt das Team der Biologischen Station Kreis Unna | Dortmund.

Unser 7. Türchen stellt Ihnen den Lebensraum “Altwasser und Altarme” vor.

NSG Kiebitzwiese – Erlenstechen mit dem NABU

Trotz des anders belegten Datum am 11.11.2023 hat auch in diesem Jahr der NABU Fröndenberg zusammen mit der Biostation die Feuchtbereiche auf der Kiebitzwiese von aufkommendem Erlenjungwuchs befreit. In Teilbereichen sollen aufwachsende Erlen daran gehindert werden, allzu schnell die offenen Uferbereiche und Wasserflächen zu beschatten. Zum Wohle der dort nahrungssuchenden Limikolen und brütender Enten.

ErlenstecherInnen nach getaner Arbeit am Heckrindunterstand, 11.11.2023 Foto: Hermann Knüwer

Salamanderpest jetzt auch im Kreis Unna – Feuersalamander in Gefahr 

Tödlicher Pilz verbreitet sich unter den Feuersalamandern im Ruhrgebiet 

Toter Feuersalamander

Totfund eines von Bsal befallenen Feuersalamanders, Kellerkopf Holzwickede, 16.08.2023

Hintergrund 

Der als „Salamanderfresser“ oder auch als „Salamanderpest“ bekannte Pilz Bsal (Batrachochytrium salamandrivorans) ruft die für Feuersalamander tödlich verlaufende Krankheit Chytridiomikose hervor. In den letzten Jahren wird eine zunehmende Verbreitung in NRW beobachtet, wobei ein „Hotspot“ im Ruhrgebiet liegt. Vielerorts werden Bestandseinbrüche beobachtet, sodass die Krankheit nach derzeitigem Wissensstand eine ernsthafte Bedrohung für das Überleben der Art darstellt. 

Situation im Betreuungsgebiet der Biostation Kreis Unna | Dortmund 

Die „Salamanderpest“ hat sich in den letzten Jahren sukzessive in östlicher Richtung im Ruhrgebiet ausgebreitet. Auch Vorkommen im Dortmunder Stadtgebiet sind bereits seit einigen Jahren bekannt. Ganz aktuell wurde nun über Laboranalysen auch der erste Bsal-Ausbruch im Kreis Unna bestätigt (Kellerkopf-Denkmal, Holzwickede), nachdem ein aufmerksamer Bürger tote Feuersalamander gemeldet hatte. Eine weitere Ausbreitung in östlicher Richtung, wo der Pilz bisher noch nicht nachgewiesen wurde, ist sehr wahrscheinlich. 

Die Karte des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW zeigt die Verbreitung von Bsal in NRW (Universität Braunschweig, Stand: 08/2020):

Die nachfolgende Karte zeigt die Verbreitung von Bsal in unserem Betreuungsgebiet (Stand 28.08.2023), die wir insbesondere Dank zahlreicher Hinweise aus der Bevölkerung sowie auch Laboranalysen im Auftrag der AGARD erstellen konnten:

Was kann ich tun? Hygienemaßnahmen! 

Die Sporen des Pilzes befinden sich sowohl auf befallenen Tieren als auch in deren Lebensraum. Sie werden demnach durch direkten Kontakt mit befallenen Tieren aber auch durch Kontakt mit ihrem Lebensraum z.B. durch Anhaften an Schuhsohlen, Hundepfoten, Fahrradreifen, Autoreifen, etc. verschleppt. 

Um die Ausbreitung zu verhindern, sind folgende Hygienemaßnahmen sinnvoll, die von jedem umgesetzt werden können und sollten:

  • Es ist wichtig insbesondere Feuersalamander und Molche nicht anzufassen. 
  • Nutzen sie ausschließlich Wege und betreten sie weder die Land- (insbesondere Laubwälder) noch die Wasserlebensräume (insbesondere Bäche und Tümpel) der Tiere 
  • Bitte leinen Sie ihren Hund in Amphibienlebensräumen an 
  • Reinigen sie Schuhsohlen, Reifenprofile, etc. an Ort und Stelle gründlich von anhaftender Erde (z.B. mit einer Wurzelbürste) und desinfizieren sie diese anschließend (z.B. mit einem 70-prozentigen Alkoholgemisch aus Wasser (30 %) und Brennspiritus (70 %). 
  • Suchen sie nach Möglichkeit nicht an einem Tag hintereinander mehrere Bachtäler oder voneinander unabhängige Kleingewässerlebensräume auf, um den Pilz nicht in bisher unbelastete Systeme zu verschleppen 

Ich habe einen Feuersalamander gefunden. Was tun? 

Sollten sie tote (oder lebendige) Feuersalamander auffinden, fassen sie diese unter keinen Umständen an! Bitte melden Sie den Fund unter Angabe von Funddatum, Fundort und Foto per E-Mail an die Ruhr-Universität Bochum meldung-feuersalamander@rub.de oder die Biologische Station Kreis Unna | Dortmund info@bsundo.de 

Weiterführende Informationen 

Die Biologische Station führt in den kommenden Jahren im Auftrag des LANUV regelmäßige Beprobungen von Feuersalamandern und anderen Schwanzlurchen durch, um die Ausbreitung zu monitieren.

Weiterführende Informationen finden sie auf der Homepage des LANUV (Landesamt für Natur Umwelt und Verbraucherschutz) unter https://www.lanuv.nrw.de/natur/artenschutz/amphibienkrankheiten