Weißstorchprojekt

Konzept zur Aufstellung von Nisthilfen für den Weißstorch im Bereich der Flussauen von Lippe und Ruhr als öffentlichkeitswirksames Projektzur Veranschaulichung der Naturschutzarbeit im Kreis Unna (2008)

  1. Ausgangslage – Zielsetzung
  2. Standort- und Flächenauswahl
  3. Praktische Umsetzung

Ausgangslage – Zielsetzung

Vor dem Hintergrund der derzeit positiven Bestandsdynamik des Weissstorchs in Teilen Mitteleuropas und Deutschlands hat in den letzten Jahren auch der Brutbestand in Nordrhein-Westfalen zugenommen. Aus dem Kreis Unna liegen für die zurückliegenden Jahre in der Datensammlung der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Kreis Unna die Daten von 88 Weißstorchbeobachtungen mit gemeldeten 286 Weißstörchen vor. Dieses umfangreiche Material wurde im Rahmen der Erarbeitung dieses Konzeptes ausgewertet.

Nisthilfe auf Holzmast

Nisthilfe auf Holzmast

Die Zahl der Beobachtungen und der gemeldeten Störche steigt im Kreis Unna über die letzten 7 Jahre deutlich an, die Zahl der Sommerbeobachtungen außerhalb jeder Zugzeit der Art (Juni – Juli) nimmt ebenfalls tendenziell zu. Ursächlich ist hier sicherlich auch die Entwicklung in den Nachbargebieten des Kreises Unna. Dort haben insbesondere in den letzten zwei Jahren in der Lippeaue mehrere Weißstorch-Paare erfolgreich gebrütet, allein in 2008 mindestens 5 Brutpaare. Vier der fünf genannten Bruten haben auf künstlichen Nisthilfen stattgefunden, die durch die jeweilige Naturschutz-Verwaltung errichtet worden sind.

Die auch im Kreis Unna in den letzten Jahren durchgeführten Maßnahmen zur Optimierung aquatischer und amphibischer Lebensräume und zum Erhalt von Feucht- und Nasswiesen haben insbesondere in den Auen von Lippe und Ruhr potentiell geeignete Lebensräume für den Weißstorch entstehen lassen. Die Perspektiven für eine Ansiedlung des Weißstorches im Kreis Unna sind mit Blick auf die geschilderte Gesamtentwicklung daher als günstig zu beurteilen.

Der Weißstorch weist eine besondere Symbolwirkung für das Anliegen des Naturschutzes und vor allem des Auenschutzes auf. Als Sympathieträger und Wappentier symbolisiert er wie kaum eine andere Art das Miteinander von Mensch und Natur im Grenzbereich der anthropogen geprägten Kulturlandschaft und der natürlichen amphibischen Lebensräume.

Die Ansiedlung des Weißstorchs in den Auengebieten des Kreises Unna kann für die Naturschutzarbeit im Kreisgebiet daher nicht nur die Erfolgswirksamkeit belegen sondern auch ein Projekt zur Verankerung des Auenschutzes in der breiten Bevölkerung sein. Ziel des Projektes ist daher die natürliche Ansiedlung des Weißstorches im Kreisgebiet in geeigneten Auengebieten des Kreises durch das Management dieser Flächen und die Anbringung von Nisthilfen zu unterstützen.


Räumliche Verteilung beobachteter Weissstörche (links: Gesamtjahresperiode; rechts: aufgeschlüsselt nach Sommer-, Winter- und Zugzeiten) im Kreis Unna 2002 bis 2008

Räumliche Verteilung beobachteter Weissstörche (links: Gesamtjahresperiode; rechts: aufgeschlüsselt nach Sommer-, Winter- und Zugzeiten) im Kreis Unna 2002 bis 2008

Standort- und Flächenauswahl


Die Raumanalyse zur Auswahl potentiell geeigneter Ansiedlungsräume im Kreisgebiet fußte auf den nachfolgend dargelegten Prämissen:

Biologische / ökologische Faktoren

  • Nachweise übersommernder Weißstörche in den letzten Jahren
  • Vorhandensein geeigneter und erreichbarer Nahrungsräume mit einer Vielzahl amphibischer Lebensräume
  • Vorhandensein geeigneter Nestumfelder
  • Fehlen möglicher Gefährdungspunkte (Freileitungen, Windräder etc.)
  • Sicherheit vor Störungen

„Abiotische“ Faktoren”

  • rechtliche Grundlagen (Bestand, Planungen, Dauerhaftigkeit)
  • Verfügbarkeit der Flächen (Eigentumsverhältnisse)
  • Beobachtbarkeit / Einsehbarkeit des Brutreviers (Umweltbildung, Besucherlenkung, Freizeit)
  • Erreichbarkeit / Befahrbarkeit zur Aufstellung und Wartung

Beobachtungsorte in Lippe- und Ruhraue im Kreis Unna

  • Auswahl geeigneter Standorte
  • Besucherlenkung

Aufgrund der vielfältigen Nutzungsüberlagerungen infolge der dichten Besiedlung des Raumes sind im Kreis Unna für keine Fläche in den beiden größeren Flussauen alle Standortkriterien erfüllbar. Jedoch liefern die inzwischen zahlreicheren Sommerbeobachtungen Hinweise, welche Flächen für eine Optimierung potentiell infrage kommen.

In der Lippeaue: 1. Bereich Blänke Disselkamp – Bauernschaft Heil 2. Lippeschleife Gersteinwerk – Werne Stockum 3. Werne-Süd – Ökologiestation Heil 4. Segelflugplatz Lünen – Lippeaue südlich Reygers

In derRuhraue: 1. Röllingwiese – Naturschutzgebiet In der Lake 2. Naturschutzgebiete Kiebitzwiese – Obergraben westlich Wickede 3. Naturschutzgebiet Mühlenstrang – Grünland östlich Haus Ruhrfeld

Flächen außerhalb der Auen: 1. Naturschutzgebiet Unna-Mühlhausen/Uelzen

Praktische Umsetzung

Die Möglichkeit, Nisthilfen auf Gebäuden, bestehenden Bauwerken oder Bäumen anzulegen ist im Bereich der potentiell geeigneten Lebensräume nur im Bereich der Bauernschaft Heil gegeben. In Anlehnung an die benachbarten Nisthilfen-Projekte im Münsterland sind auch im Kreis Unna Nisthilfen auf Masten für alle anderen Standorte eine realisierbare Lösung. Seit Jahrzehnten haben sich Mastkonstruktionen aus Holz, Eisen oder Beton mit mindestens 7m Höhe bewährt.

Konstruktionsskizzen einer Nestunterlage

Konstruktionsskizzen einer Nestunterlage

Die eigentliche Nestunterlage, der „Nestkorb“ ist eine kreisrunde korrosionsbeständige Metallgitterkonstruktion in die Weidenreisig eingeflochten wird. Freileitungen und Hochspannungsmasten im Umfeld der Nisthilfe sind aus Sicherheitsgründen in Absprache mit den zuständigen Energieversorgungsunternehmen mit Abweisern zu versehen.

Im Herbst 2009 wurden die ersten Nisthilfen gefertigt und zum Teil bereits aufgestellt – vielleicht gibt es in der nächsten Brutsaison schon spannendes von Meister Adebar zu berichten !

Eine ausfühliche Darstellung zum Projekt Ansiedlung des Weißstorches im Kreis Unna finden Sie hier zum Download: Ansiedlung des Weißstorches im Kreis Unna (0,5 MB)