Großer Umbruch in der Biostation!

Es ist ein Jahr des großen Umbruchs bei uns in der Biostation. 28 Jahre lang haben Klaus Klinger und Anke Bienengräber die Biostation aufgebaut und ihr ein Gesicht gegeben. Beide auf ihre Weise:  

Klaus als Chef und Organisator, der alle Fäden in der Hand hält, der mit Geschick und Entschlossenheit Politik und Verwaltung von unserer Biostationsarbeit überzeugt. Der  eine besondere Leidenschaft für die Heckrind-Beweidungsprojekte an den Tag legt, die ihm so schnell keine Ruhe lässt, der mit einer ausgeklügelten Dokumentenablage, bei der (fast) jeder freie Zentimeter seines Schreibtischs belegt ist, den Überblick behält und der in guten wie in weniger guten Zeiten einen idealistischen und engagierten Haufen zusammenhält und für alle stets ein offenes Ohr und einen herzlichen und weitsichtigen Rat hat.

Anke, die immer und zu jeder Zeit ansprechbar und erreichbar ist und allen (besorgten Ehrenamtlern, hilfesuchenden Jungkollegen, aufgebrachten Landwirten, die an Verwaltungsgrenzen stoßen, und natürlich ihren Kindern und Enkelkindern) mit Rat und Tat zur Seite steht, die das Unmögliche möglich macht und die überall im Kreis Unna durch ihr unermüdliches Engagement für den Naturschutz, ihren unermesslichen Wissensschatz und ihre grauweiße Lockenmähne bekannt ist.  

Wir können uns noch gar nicht vorstellen, wie es ohne die beiden wird! Die Biostation, das waren immer auch Klaus und Anke. Wie bei Eltern, die nach dem Heranwachsen ihrer Kinder wieder mehr Zeit für sich haben, werden auch die beiden – Anke in ihrem Heimatdorf Hemmerde, Klaus in seiner zweiten Heimat Hirschberg und in seiner ersten Heimat Würzburg (oder war es umgekehrt ;)) – nun Zeit dafür haben, eine Welt außerhalb der Biostation zu erkunden und zu gestalten. Schwer wird es ihnen nicht fallen, denn ein Stillstand ist der Ruhestand bei keinem der beiden. Und sicher werden wir und andere langjährige Weggefährten den beiden das eine oder andere Mal wieder hier auf der Station, bei einem Pflegeeinsatz, dem Aufbau eines Heckrindgatters, einer Exkursion oder einem Hoffest begegnen. Nach so vielen Jahren einfach still, fast heimlich, zu verschwinden, das wird dem Werk der beiden nicht gerecht. Alle, die gerne mit uns den Abschied von den beiden und damit auch 28 Jahre Biostation gefeiert hätten, möchten wir an dieser Stelle aber noch um etwas Geduld bitten. Sobald wieder mit vielen Menschen (vielleicht sogar ohne Maske) gefeiert werden darf, holen wir die Abschiedsfeier für unsere beiden langjährigsten und bekanntesten Mitarbeiter nach! 

Der Leiter der Biologischen Station Kreis Unna | Dortmund, Klaus Klinger (rechts) und seine Stellvertreterin, Anke Bienengräber (zweite von links), verabschieden sich nach 28 Jahren in den Ruhestand. Die Leitung übernimmt Dr. Anne-Kathrin Happe (zweite von rechts), die Stellvertretung Birgit Stephan (links). Foto: Biologische Station Kreis Unna | Dortmund  

Die Neuen

Dr. Anne-Kathrin Happe ist zu Beginn dieses Jahres in große Fußstapfen getreten: Sie übernimmt die wissenschaftliche Leitung und Geschäftsführung der Biostation vom langjährigen Leiter und Mann der ersten Stunde, Klaus Klinger. Anne ist 33 Jahre alt und ist direkt am Rand des Naturschutzgebiets Uelzener Heide / Mühlhauser Mark in Unna aufgewachsen. Sie hat in Göttingen Biodiversität mit Schwerpunkt Agrarökologie studiert und anschließend an der TU Darmstadt promoviert. Ihre Doktorarbeit hat sie zur Nützlingsförderung im Obstbau in Europa geschrieben und hat dazu die Wirkung von Agrarumweltmaßnahmen auf die biologische Schädlingskontrolle in Apfelanlagen am Bodensee untersucht. Im Anschluss war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven tätig. Zuletzt hat sie als Naturschutzreferentin im Referat Flächenschutz der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg den landesweiten Biotopverbund, Großschutzgebiete und die Erstellung der landesweiten Streuobstkulisse betreut. Wir sind überzeugt, mit Anne eine würdige Nachfolgerin für unseren bisherigen Leiter gefunden zu haben.  

Birgit Stephan übernimmt ab März für Anke Bienengräber die Betreuung von Schutzgebieten im Kreis Unna, die Vertragsnaturschutzberatung und die stellvertretende Leitung der Station. Mit ihr kommt ein neues Gesicht in die Station, das manch einem bekannt vorkommen wird, denn Birgit war bereits vor einigen Jahren als Schwangerschaftsvertretung bei uns tätig. Inzwischen hat sie über viele Jahre in einem Planungsbüro im Münsterland und in der Biostation Coesfeld Naturschutzmaßnahmen und Projekte umgesetzt sowie Kartierungen durchgeführt. Bei uns wird Birgit auch in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Entwicklung von Forschungsprojekten mitwirken. Birgit ist 56 Jahre alt und kommt aus dem Norden von Münster. Sie hat in Münster Landschaftsökologie mit Schwerpunkt Botanik studiert und ist begeisterte Vegetationskundlerin und Hobbyfotografin.  

Wir freuen uns, dass Anne und Birgit mit im Boot sind, und heißen sie ganz herzlich bei uns im Biostations-Team willkommen! 

Ratsbeschluss für mehr Klima- und Artenschutz im Dortmunder Stadtwald!

Eichen-Hainbuchenwald
Frühjahrsaspekt im Eichen-Hainbuchenwald mit Einblütigem Perlgras (Melica uniflora) auf der FNW-Fläche „Kurler Busch – West“

Der Rat der Stadt Dortmund reagiert auf die sich ändernden Umweltbedingungen und hat am 17.02.2022 für den etwa 2.500 ha umfassenden Dortmunder Stadtwald die Erarbeitung eines „ganzheitlichen, ökologischen Waldkonzeptes“ beschlossen! 

Zukünftig wird so die „Schutzfunktion (Klimaschutz, Luftreinhaltung, Wasserhaushalt, CO2-Speicherung, Artenvielfalt/Artenschutz und Bodenfruchtbarkeit)“ des Waldes im Vordergrund stehen. Die Artenvielfalt wird durch eine Habitatbaumkartierung im Vorfeld von Hiebmaßnahmen und die Ausweitung der bestehenden, forstwirtschaftlich nutzungsfreien Waldflächen zur natürlichen Waldentwicklung („FNW“) von derzeit etwa 5% auf bis zu 30%, gestärkt. 

Wir freuen uns, unseren Teil zur Erarbeitung des Waldkonzeptes beitragen zu können! 

Zurück auf Start – Raupeneinsatz im NSG Holzplatz

Raupeneinsatz als gezielte Störung zur Schaffung von Rohbodenflächen

Der Holzplatz Bönen und die ehemalige Kokskohlenhalde in Kamen-Heeren-Werve sind als ehemalige Bergbaustandorte die Heimat zahlreicher Pionierarten. Die Blauflügelige Sandschrecke und das Kleine Filzkraut haben auf der Halde seit Jahren stabile Populationen, die Kreuzkröte besiedelt von hier die angrenzenden Feuchtlebensräume.

Allerdings fühlt sich auch die Birke hier richtig wohl – ihr gelingt es innerhalb weniger Jahre, die ehemals offenen Schotterflächen vollständig zu erobern und zu beschatten.

Im Abstand einiger Jahre wird zum Schutz der Pionierarten deshalb das Gebiet von der Biologischen Station entbuscht und der Oberboden abgeschoben. Dies ist notwendig, um die verbleibenden Birkenstubben weitgehend zu entfernen, die ansonsten vielstämmig wiederaustreiben und einen noch dichteren Schattenwurf verursachen würden.

Frisch entbuschter Bereich vor der Abschiebung

Nachdem im Januar von der Biostation die Birken entfernt worden waren, hat bei frostigen Temperaturen die Fa. Schnepper im Auftrag des Kreises Unna die Fläche mit einer Planierraupe abgeschoben. Für die sonnen- und wärmeliebenden Pionierarten aber auch für die Birke heißt das “zurück auf Start”.

Dichter Birkenbewuchs vor der Rodung auf dem Holzplatz Bönen

Westfälische Seenplatte

Hemmerder Wiesen
Panoramablick über die “Hemmerder Wiesen” am 23. Feb. 2022, Foto Hermann Knüwer

Nach den starken Regenfällen der letzten Tage haben sich die Hemmerder Wiesen in eine kleine Seenlandschaft verwandelt, die viele rastende Wasser- und Watvögel anzieht.

Schwerte: Pflegeeinsatz im NSG Ebberg mit der AGON Schwerte

AGON-Frauenpower im NSG Ebberg

107 Jahre zählten der älteste Teilnehmer und die jüngste Teilnehmerin zusammen beim gemeinsamen jährlichen Arbeitseinsatz von AGON Schwerte und der Biostation im Naturschutzgebiet Ebberg. Nach coronabedingter Pause 2021 war es am 05.02.2022 mit Abstand wieder soweit: Mit Freischneidern, Motorsägen und Rechen wurden die verschiedenen Steinbruchsohlen entbuscht und entkuselt, um den Lebensraum von Pionierpflanzen und lichtliebenden Tierarten zu erhalten. Mittendrin die von der AGON liebevoll und reichhaltig ausgestatte Stärkungspause. Besten Dank an die AGON – die jüngste Teilnehmerin war übrigens 20 . . .

Von der AGON bestens versorgt: die gemeinsame Pause im Steinbruch

Biber an Lippe und Ruhr

Spätestens seit dem Jahr 2019 ist auch im Kreis Unna der Biber zurück an Lippe und Ruhr. Nachdem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an der Möhne die letzten Vorkommen Westfalens ausgerottet wurden, vollzieht sich ausgehend von Eifel und Niederrhein seit dem Jahrtausendwechsel eine zügige Wiederbesiedlung des Landes.

Frische Biber-Fraßspuren an der Ruhr

Fast zeitgleich wurden im Jahr 2019 sowohl an der Lippe als auch an der Ruhr die ersten Biberspuren im Kreis von ehrenamtlichen Naturbeobachtern entdeckt. Wiesen die Spuren anfangs nur auf einzelne Tiere hin, so hat sich bis zum Ende 2021 der Bestand schon zu mehreren “Revieren” verdichtet – unübersehbar an den vielen winterlichen Biberschnitten entlang der Ufergehölzlinien, die von der Biologischen Station im Winter 2020/2021 kartiert worden sind.

Um der genauen Verbreitung und der Populationsstruktur der Biber auf den Grund zu gehen, werden im Rahmen eines Werkvertrages von Fachgutachterin Anja Roy im Frühjahr 2022 die Biber in den beiden großen Flussläufen im Kreisgebiet noch einmal eingehender untersucht.

Bereits fortgeschritten verwester Biber am Ruhrufer in Fröndenberg, 17.11.2021 Foto: Hermann Knüwer

Inzwischen sind bereits zweimal tote Biber aus der Ruhr geborgen und in das Naturkundemuseum in Münster überstellt worden. Zu einem am 17.11.2021 gefundenen toten Tier schreibt das Naturkundemuseum

Leider war das Tier schon in einem fortgeschrittenen Zustand der Verwesung, sodass sich die Haut nicht mehr für die Herstellung eines Präparates eignete. Zur Todesursache: Als das Tier für die Herstellung eines Skelettes abgezogen und entfleischt wurde, stellte sich heraus, dass sich im Brustkorb eine große Menge Flüssigkeit gemischt mit Blut befand. Außerdem waren zwei Rippen im vorderen Bereich glatt durchtrennt. Zusammen mit der Wunde an der Schnauze, gehen wir davon aus, dass das Tier bei Revierstreitigkeiten mit einem Artgenossen tödlich verwundet wurde und ertrunken ist, da die Rippen weder gequetscht, noch gesplittert waren, wie es sich sonst bei einem Verkehrsunfall oder einem Hundeangriff darstellt. Außerdem waren keine weiteren großflächigen Blutergüsse oder Knochenbrüche feststellbar.

Auch dieser akribisch erhobene Befund deutet darauf hin, dass sich in der Ruhr wieder eine arttypisch interagierende Population entwickelt.

Biber-Totfund in Fröndenberg Foto: Hermann Knüwer

Verabschiedung nach 28 Jahren – unser langjähriger Leiter Klaus Klinger geht in den Ruhestand

Unser langjähriger Leiter der Biologischen Station Kreis Unna | Dortmund verabschiedet sich zum Ende diesen Jahres nach 28 ereignisreichen Jahren in den Ruhestand. Seit der Einrichtung der Biologischen Station im Dezember 1993 durch die Naturförderungsgesellschaft für den Kreis Unna ist der Aufgabenbereich der Biologischen Station stetig gewachsen: Angefangen bei der Betreuungsarbeit für die Schutzgebiete im Kreis Unna, sind wir mittlerweile auch in Dortmund und Hamm aktiv. Die Mitarbeiterzahl stieg nach und nach von 4 auf 11 feste Stellen. Wir danken Klaus für seine beachtlichen Errungenschaften rund um den Naturschutz und seine unerschöpfliche Gestaltungskraft in und um die Biostation!

Abschied Klaus Klinger
Wir verabschieden uns mit einem weinenden Auge von Klaus Klinger und
begrüßen mit einem lachenden Auge seine Nachfolgerin, Dr. Anne-Kathrin
Happe.

NSG Kiebitzwiese – Baubeginn für ein neues Umgehungsgerinne durch die Stadtwerke Fröndenberg

Umgehungsgerinne Wehr Schwitten
Startschuss für das neue Umgehungsgerinne um das Wehr Schwitten im NSG Kiebitzwiese

Am Dienstag, 28.09.2021 erfolgte mit der ersten Baggerschaufel der Startschuss für die Umgehung des Wehres Schwitten. Die Stadtwerke Fröndenberg stellen in den nächsten Monaten mit einer ökologisch hochwertigen Kombination aus Fischtreppe und Umgehungsgerinne die Durchgängigkeit der Ruhr auch an dieser Stelle wieder her.

Die Stadtwerke Fröndenberg kommen damit dem Wunsch des Naturschutzes nach, statt einer rein technischen Lösung mit dem Umgehungsgerinne auch das Naturschutzgebiet Kiebitzwiese weiter zu entwickeln und um neue Fließgewässer-Strukturen anzureichern.

Nähere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Internetseite der Stadtwerke Fröndenberg.

Hemmerder Wiesen: Arbeiten an Kleingewässer

In den Hemmerder Wiesen wird wieder gebaggert! Ein Kleingewässer soll wesentlich vergrößert und vertieft werden, um es für Wat- und Wasservögel zu optimieren. Mit dem Bodenaushub wird randlich ein Aussichtsshügel aufgeschüttet, so dass wie im NSG Kiebitzwiese in Fröndenberg gute Beobachtungsmöglichkeiten für Besucher geschaffen werden.

Erdarbeiten am Kleingewässer, Uferzonen werden flach ausgezogen und der Gewässerkörper entschlammt und vergrößert ….
… der Aushub wird für einen “Aussichtshügel” verwendet….
Panoramaansicht des optimierten Gewässers mit umgebender Feldflur